Projektbeschreibung aTABLE – eine interaktive Installation von Töpfer/Feisel
In Coproduktion mit der FIDENA, Bochum & dem Thalia Theater Halle
| GEDECK |
Töpfer, Feisel, Mousseka, Oberhoff
»GEDECK (aTABLE 1.03)«
eine interaktive Installation
In Coproduktion mit der FIDENA, Bochum und dem THALIA THEATER HALLE
Das Pilotprojekt der Künstlergruppe weckt den Hunger, macht aber nicht satt. Was auf den Tisch kommt ist ungewiss, aber gewiss nicht wirklich. Es wird etwas angerichtet, das nicht existiert, ein Orakel mit Russisch Brot, Lukullisches aus einem Zwischenraum,»abgeschmeckt« von Lambert Mousseka Ntumba und Stefanie Oberhoff.
1. Beschreibung der Grundsituation:
In den Öffnungszeiten der Installation (jeweils eine Stunde, mehrmals täglich) können die Zuschauer/Gäste/ Besucher einen Raum betreten, in dem sich ein großer erleuchteter Tisch mit einem Stuhl davor befindet.
Einer der Besucher wird eingeladen, am Tisch Platz zu nehmen, während die anderen Gäste ihn an dem Tisch beobachten können, wie er mit dem Tisch (bzw. der Tisch mit ihm) spielt.
Eine solche Interaktion kann zwischen 2 und 20 Minuten dauern und der Verlauf dieser Spielsituation wird maßgeblich von der Reaktion des Gastes bestimmt. Danach kann sich einer der anderen Besucher an den Tisch setzen.
2. der „virtuelle Tisch“:
Kernpunkt dieser Installation ist ein Tisch mit einer Fläche von 140x110 cm:
mittels Rückprojektion wird ein Videosignal von unten auf die Tischfläche übertragen, bei entsprechender Beleuchtung ist es möglich, dass reale Gegenstände auf dem Tisch und projizierte Bilder zu einem Gesamtbild verschmelzen.
Die Projektionen stammen aus einen nicht einsehbaren Nebenraum, wo die gleiche Tischfläche als Studio eingerichtet ist. Diese Studiotischfläche wird abgefilmt und live auf den ersten Tisch übertragen.
Ebenso ist es möglich, vorproduzierte Filme (abgemischt mit dem Livebild) auf den Tisch zu senden.
Die Spieler im Nebenraum benutzen Kontrollmonitore, die sowohl die Zuschauer vor dem Tisch zeigen, als auch das Bild des Tisches (mit den realen und projizierten Gegenständen.
Prinzipiell ermöglicht dieser Tisch also zwei verschiedene Kommunikationsmodelle:
Einerseits kann Bild des Tisches interaktiv mit dem Zuschauer kommunizieren (durch Übertragung eines Livebildes aus dem Nebenraum).
Beispiel:
Ein einzelner Zuschauer sitzt an einem Tisch, ihm gegenüber erscheinen zwei Hände auf dem Tisch, diese schieben sich langsam zur Tischmitte vor, so dass Hände und Unterarme zu sehen sind, sie versuchen mit dem Zuschauer zu kommunizieren.
Dies kann mittels Gesten erfolgen, aber auch durch ein „scrabble“ Spiel: auf dem Tisch liegen verstreute Keksbuchstaben, sowohl in Realität als auch im projizierten Bild (wobei die realen Buchstaben die „virtuellen“ abdecken können.
Andererseits ist es möglich vorproduzierte (Trick-)Filme spontan auf dem Tisch einzuspielen.
Die Verflechtung dieser beiden Kommunikationsmöglichkeiten erzeugt eine wirkungsvolle Verwirrung beim Zuschauer:
Einerseits können wir unmittelbar und spontan auf den Gast reagieren, andererseits aber auch visuell sehr starke und überraschende Effekte einsetzen.
Im jetzigen Arbeitstand erforschen wir Wirkungsmechanismen und Ausdrucksformen einer solchen Einrichtung. Diese liegt in einem künstlerischen Grenzbereich zwischen Rauminstallation und kleiner theatraler Form: Dabei wird der Gast am Tisch für die übrigen Zuschauer ein Akteur (oder Mitspieler) in einem undurchsichtigen Spiel.
Zurzeit loten wir das Verhältnis zwischen erzählerischem Moment der Handlung und dem Live-Erlebnis des Gastes und der interaktiven Kommunikation mit ihm aus
3. aTABLE – ein Projekt in Progress:
Die Grundidee stammt von Thurit Kremer, Antje Töpfer & Florian Feisel .
Ein erster praktischer Versuch mit einem solchen Tisch wurde Zusammenarbeit mit dem Berliner Videokünstler chickentv im Rahmen des deutsch-russ. Festivals "PRIWJET" im Mai 06 im Westflügel/Lindenfels in Leipzig unternommen.
Im Mai diesen Jahres hatte der „ausgewachsene“ Tisch auf dem 15. Internationalen Figurentheaterfestival in Erlangen Premiere.
In der dortigen Variante (aTABLE 1.02) haben wir mit der Situation experimentiert, die Zuschauer in einen komplett leeren Raum zu schicken:
Die Kommunikation mit den Gästen erfolgte einzig über das Medium des Tisches in einem verlassenen Zimmer - auf dem Tisch waren Reste einer Party von der Nacht zuvor zu sehen.
Die Grundsituation in welcher der Tisch eingebettet ist, ist flexibel und richtet sich jeweils nach den Bedingungen des Spielortes/Festivals und nach unserer Zielsetzung.
In Bochum steht neben der unmittelbaren Kommunikation mit den Gästen die Vermittlung des Tisches durch einen eingeweihten Spieler im Vordergrund.
Neu im Team von aTABLE sind die Medienkünstlerin Stephanie Oberhoff und der Figuren- und Schauspieler Lambert Mousseka.
Dies folgt der Ambition des Projektes, den Tisch in viele Hände zu geben:
Langfristig streben wir an, verschiedenste Künstler mit diesem „virtuellen Tisch“ in Berührung zu bringen, und deren Arbeiten dann in Form einer Kantine in einem Raum mit 16 solchen Tischen zusammenzubringen (aTABLE 16.01 – die erste Zahl beschreibt die Anzahl der Tische, die zweite Ziffer die Variante der Ausführungen):
CANTINA (aTABLE 16.01)
Die Grundidee ist, Künstler aus verschiedenen Ländern und Kontinenten an einen Tisch zu bringen. Wobei "ein Tisch" so zu verstehen ist, dass jeder der Beteiligten an einem eigenen Tisch sitzt (das ist wenig romantisch aber im globalen Kontext durchaus sinnbildlich).
16 dieser Tische stehen in symmetrischer Anordnung in einem Raum, der von einem umlaufenden Podest umsäumt ist und den Charakter einer Kantine hat.
Auf diesen Tischen sind Projektionen zu sehen, die mit den an den Tischen sitzenden Künstlern in Beziehung stehen.
Unser jetziges Modell sieht vor, das 16 int. Künstler mit Einzelarbeiten betraut werden, die das Thema "FEED – was uns SATT macht" haben können. Diese sollen in Form eines 3 minütigem Kurzfilmes mit Interaktion des Spielers realisiert werden. Im Rahmen eines Festivals wollen wir alle diese Arbeiten in dem Raum der CANTINA zusammenführen und zeigen: eine Zuschauergruppe von 150 Personen hat in rund einer Stunde Zeit, sich frei in diesem Raum zu bewegen und 16 versch. Auseinandersetzungen zu dem Thema "was auf den Tisch kommt" zusehen.